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Menschen durchschauen, Menschen lesen, Körpersprache, Kommunikation

Wie Du Menschen durchschaust und was Du vom Flirten lernen kannst

Geschrieben von Daniel am 15.09.2018

 

Mit sogenannten Lügendetektoren werden die „Biosignale“, das sind Blutdruck, Puls, Atmung und Schwitzen (über die Leitfähigkeit der Haut) eines Menschen gemessen. Inzwischen ist bekannt, dass die gemessenen Reaktionen kein Indiz für wahrheitsgemäße Antworten sind. Man weiß aber, dass die körperlichen Reaktionen, also die „Körpersprache“, zumindest die Aktivität des befragten Menschen anzeigen. Abgesehen von den Biosignalen gibt es noch sehr viele weitere Signale, wie Gestik, Mimik und Körperhaltung, mit welchen man außerhalb des gesprochenen Wortes kommuniziert. In diesem Artikel sollst Du ein bisschen mehr über Körpersprache und das „Menschenlesen“ erfahren.

 


Einführung in die Körpersprache

Menschen zu lesen oder zu durchschauen, ohne dass sie uns das mit gesprochenen Worten mitteilen, ist kein „Hokuspokus“. Evolutionstheoretisch war das in der Vergangenheit sogar überlebenswichtig, weil man durch Körpersprache, auch ohne miteinander zu sprechen, die Empfindungen des Gegenübers wahrnehmen konnte. Es ist also etwas ganz Normales, dass wir bei der Kommunikation – meistens ganz unbewusst – die nonverbalen Signale (Körpersprache) eines Menschen sogar stärker wahrnehmen (60-65 %) als das gesprochene Wort (siehe Quellen).

Wenn Du also versuchst, ganz bewusst nonverbale Signale zu beobachten, dann kannst Du noch mehr über die Meinung Deines Gegenübers erfahren als er eigentlich ausspricht. Das ist natürlich kein Erfolgsgarant und bedarf Erfahrung, weiterhin ist es von großem Vorteil, Dein Gegenüber möglichst gut zu kennen. Außerdem schaffen es manche Menschen auch recht gut, ihre Körpersprache entsprechend zu verschleiern. Dennoch gibt es einige Indizien, die kaum zu vertuschen sind, weil sie instinktiv vom limbischen Gehirn gesteuert werden. Meistens ist die Körpersprache also eine unbewusste, reflexartige, intuitive Reaktion, die nur schwer verborgen werden kann.

 

Die instinktiven Verhaltensweisen

Es gibt wahrscheinlich unendlich viele nonverbale Signale von Menschen, welche sich in jeder Situation unterscheiden können. Wir beziehen uns hierbei auf ganz bestimmte Reaktionen in unangenehmen Situationen. In diesen Situationen kann es besonders wichtig sein, verdeckte Botschaften und Intentionen unseres Gesprächspartners zu entschlüsseln. Der Nutzen ist hier also besonders groß. Die nonverbalen Signale lassen sich grundsätzlich in drei evolutionär instinktive Verhaltensweisen einteilen:

  1. Schockstarre
    Die Schockstarre kennt man sehr gut von Tieren, aber ähnlich wird sie auch vom limbischen Gehirn beim Menschen ausgelöst. Wird beispielsweiseeine Bedrohung durch eine unangenehme Frage wahrgenommen, kann es passieren, dass man in eine Schockstarre gerät und nichts mehr sagen kann. Die Körperhaltung sackt hierbei meist ein, die Schultern und Arme hängen entsprechend nach unten.
  2. Fluchtmodus
    Sich schuldig fühlende Menschen versuchen, unangenehmen Situationen nach Möglichkeit aus dem Weg zu gehen oder direkt zu flüchten. Allgemeine Anzeichen sind körperliche Distanz und Abwehrgesten. Dies macht sich zum Beispiel bemerkbar, wenn jemand einem nicht mehr in die Augen schauen kann.
  3. Angriffsmodus
    In der heutigen Gesellschaft geschehen Angriffe meistens durch Anschuldigungen, die verbal geäußert werden. Wenn zwei unterschiedliche Meinungen aufeinandertreffen und beide in den Angriffsmodus übergehen, kommt es zum Streit.

 

Die nonverbalen Reaktionen

Die vorstehend genannten Reaktionen beziehungsweise die Eingruppierung ist meist sehr einfach vorzunehmen. Allgemeine und weniger sichtbare Verhaltensweisen sind allerdings deutlich schwieriger zu beobachten, vor allem auch deshalb, weil jeder anders reagiert und die Reaktionen häufig sehr schnell ablaufen. Es ist deshalb einfacher, wenn man den Menschen und dessen normale Reaktion schon kennt. Einige weitere Beispiele nonverbaler Reaktionen haben wir im Folgenden nach den wichtigsten Körperbereichen sortiert und aufgelistet:

  • Beruhigungsgesten im Gesicht
    Wenn jemand nervös ist und sich in einer unangenehmen Situation befindet, versucht er sich intuitiv zu beruhigen. Man sieht dies oft bei Interviews, wenn Personen vor der Kamera stehen und sich ständig irgendwo im Gesicht berühren. Meistens berührt man sich hierbei an Stirn, Ohrläppchen, dem Nacken oder dem Hals. Wenn man stark einatmet, dann ist das ebenfalls eine Geste zur Entspannung. Meist ist dies dann erkennbar, da man dazu neigt, den Mund auf zu machen oder sogar gähnt, obwohl man gar nicht müde ist. Eine weitere Beruhigungsgeste, die kaum aktiv gesteuert werden kann, ist die Abkühlung des Körpers, was sich meistens zum Beispiel durch vermehrtes Schwitzen an der Stirn bemerkbar macht. Wenn man mit der Zunge seine Lippen ableckt, dann kann das symbolisieren, dass jemand von etwas gerade noch glimpflich davongekommen ist.
  • Hände
    Wenn Menschen bei Bewerbungsgesprächen nervös sind, dann neigen sie dazu, unter dem Tisch die Hände an den Schenkeln zu reiben. Schränkt man die Finger ineinander und presst diese zusammen, dann zeigt das, dass man nicht entspannt ist. Das „Dach“ – wie wir es von Angela Merkel kennen – strahlt Souveränität aus. Wenn man die Hände vor sich ineinander faltet und die Arme angewinkelt hat symbolisiert das Entschlossenheit und zeigt, dass jemand bereit ist direkt loszulegen. Das ist also eine gute Geste, wenn man vor einem Publikum steht und nicht weiß, was man mit seinen Händen anfangen soll.
  • Arme
    Mit den Armen kann man eine sehr große nonverbale Wirkung erzielen, die vor allem sehr schnell und einfach auffällt. Wenn man jemandem begegnet, der einen mit offenen Armen empfängt, dann fühlt man sich sofort wohl. Wird man jedoch empfangen und das Gegenüber hat die Arme verschränkt, dann fühlt man sich dementsprechend natürlich weniger willkommen. Dies gilt auch oder gerade dann, wenn man die Arme hinter dem Rücken verschränkt hat. Stellt man seine Arme in die Hüften, heißt das „Es gibt ein Problem“, oder man ist „angriffslustig“ bzw. vertritt seinen Standpunkt.
  • Füße und Beine
    Körpersprache mit den Füßen nimmt man im Gegensatz zu den vorher genannten Körperbereichen meist weniger wahr. Dabei sind gerade die Füße oft sehr gute Signalgeber, weil auch das Gegenüber meist wenig darauf achtet, diese zu kontrollieren. Wenn Dir jemand entgegensteht, dessen Fußspitzen beide zu Dir zeigen, dann bekommst Du die volle Aufmerksamkeit. Stehen die Füße allerdings in eine andere Richtung, dann sind das Indizien dafür, dass das Gegenüber lieber woanders sein würde oder mit den Gedanken schon woanders ist. Um das herauszufinden, kannst Du bei einem Gespräch mit jemandem beim Zuhören eine nachdenkliche Geste machen und nach unten blicken. Dabei kannst Du sehr unauffällig auf die Füße blicken. Wenn jemand seine Beine kreuzt, ist das meist ein Zeichen, dass er sich sehr wohl fühlt. Wenn die Beine sich bewegen, dann ist das ein Zeichen von Freude und überschüssiger Energie oder Nervosität. Dies kann man natürlich im Sitzen besonders gut beobachten. Hört die Bewegung aufgrund einer Nachricht oder Frage auf, dann fand das Gegenüber diese wohl weniger positiv.
  • Augen
    Im Allgemeinen kann man mit den Augenbewegungen, wie zusammenkneifen, aufreißen, klein machen usw., sehr viel gestikulieren. Solche Gesten sind aber überwiegend bekannt. Eher unbekannt, aber sehr interessant sind die Reaktionen der Pupillen. Wenn sich die Pupillen bei einem Gespräch öffnen, dann heißt das, dem Gegenüber gefällt die Situation und er fühlt sich wohl. Verengen sich die Pupillen jedoch, dann heißt das, ihm gefällt die Situation nicht und er ist unzufrieden beziehungsweise skeptisch (siehe Quellen). Im Allgemeinen ist es ohnehin immer gut, dem Gegenüber in die Augen zu schauen, weil er sich dann auch ernstgenommen fühlt. Hierbei kannst Du versuchen, in gewissen Situationen auch die Pupillen zu beobachten.

 

Wie Du lernst Menschen zu durchschauen

Es liegt in unserer menschlichen Natur, dass wir automatisch ein Gefühl dafür entwickeln, welche Signale der Körpersprache in welchem Zusammenhang stehen. Wenn Du jetzt noch bewusster beobachtest und immer wieder Verknüpfungen zwischen Körpersprache und deren Bedeutung herstellst, dann wirst Du immer besser darin. Am besten funktioniert es natürlich, wenn Du Menschen kennst und weißt, wie sie sich normalerweise verhalten. So kannst Du schneller „ungewöhnliches“ Verhalten feststellen. Möglicherweise ist Dir bei einer nahestehenden Person schon aufgefallen, dass du noch vor der eigentlichen Reaktion schon weißt, wie ihre innere Haltung ist. Hier hast du intuitiv schon Dein Körpersprache Know-How angewendet. Wenn du dich intensiver mit diesem Thema auseinander setzt, werden sich diese Situationen häufen.

Es ist in jedem Falle wichtig, keine voreiligen Schlüsse daraus zu ziehen, weil wie bereits erwähnt jeder anders reagieren kann. Außerdem verstellen sich Menschen auch oft, wodurch es wirklich schwierig werden kann, die wahre Bedeutung der Signale zu erkennen. Dies kann sowohl ganz bewusst wie auch unbewusst durch den limbischen Teil des Gehirns passieren.

 

Was Du vom Flirten lernen kannst

In unserer Gesellschaft gibt es viele unausgesprochene Regeln, die uns sagen, wie wir uns verhalten sollten, damit dieses Verhalten von meinem Gegenüber akzeptiert wird bzw. nicht aufdringlich wirkt. Zum Beispiel gibt es mit Sicherheit auch in Deinem Freundeskreis Umgangsformen unter euch, die bei der Arbeit deutlich unangemessen wären und umgekehrt. Diese Verhaltensregeln stehen allerdings nicht irgendwo geschrieben, sondern werden meistens einfach unbewusst „richtig“ angewendet, weil wir diese in Form von Manieren in unserer Erziehung oder unserem Umfeld so gelernt haben. In vielen Situationen ist es wichtig, diese Regeln zu kennen, damit wir mit ihnen bewusst umgehen können.

Ein Thema, bei dem diese unausgesprochenen Regeln ganz besonders zur Geltung kommen, ist das Flirten. Hier sind vor allem Männer häufig überfordert, weil ihnen dieses Wissen und somit oft der Leitfaden fehlt. Das führt dann dazu, dass diese zu schnell zu viel erreichen wollen. Hierbei wird von den Flirtprofis oder Psychologen meist geraten, sehr vorsichtig zu beginnen und sich mit der Kontaktaufnahme schrittweise zu steigern. Es ist dabei wichtig, immer wieder zu beobachten, ob das Verhalten von dem Gegenüber geduldet wird und ob man den nächsten Schritt machen kann.

Diese und weitere Strategien vom Flirten kann ebenfalls auf Freundschaften und insbesondere auf Geschäftsverhältnisse übertragen, wenn auch natürlich in anderer Art und Weise. Wer gut flirten kann und dort sympathisch wirkt, der ist oft auch gut darin, Geschäftsverhältnisse zu pflegen.

Jemand der die Tricks zur Kontaktaufnahme bzw. zum Flirten besonders gut draufhat, ist Prof. Samy Molcho. Er ist seit einigen Jahrzehnten in ganz Europa als Körpersprachenexperte unterwegs und zeigt hier sehr unterhaltsam und charmant die Grundregeln des Flirtens:

 

Fazit

Abschließend lässt sich sagen, dass es in jedem Fall sinnvoll ist, sich ein wenig mit der Thematik der Körpersprache zu beschäftigen. Studien beweisen sogar, dass ein verbessertes Wissen und gekonntes Anwenden der nonverbalen Kommunikation zu mehr Erfolg im Leben führt (siehe Quellen). Das liegt daran, dass Du andere besser einschätzen kannst. Aber dieses Wissen hilft Dir auch, es geschickt einzusetzen. Natürlich solltest Du es nicht einsetzen um zu tarnen und zu täuschen, weil das ohnehin meistens herauskommt und dann eher negative Auswirkungen für Dich hat. Du kannst damit aber gewisse Vorgehensweisen unterstützen, Deine Selbstsicherheit und damit dein Selbstbewusstsein aufbauen.

Bei wirklich wichtigen oder belastenden Anliegen ist es überdies nicht ratsam, diese durch das Analysieren von der Körpersprache lösen zu wollen. Hier empfiehlt es sich, den direkten Kontakt zu suchen und einfach die Person zu fragen, wenn man etwas wissen möchte.

Hypothesen und wilde Interpretationen sind auch oft selbst inszenierte Wahrheiten, die einem das Leben unnötig schwermachen können.

 

Offen mit der Sprache zu kommunizieren kann man gar nicht genug, denn das schafft Klarheit und Leichtigkeit. Man geht damit also unnötiger Belastung durch ein mögliches „Gedankenkarussell“ aus dem Weg. Es ist also immer besser, das Verstehen dem „Durchschauen“ vorzuziehen.

Bei weiterem Interesse können wir Dir das Buch „Menschen lesen“* von dem FBI-Agent Joe Navarro empfehlen. Wir haben es beide gelesen und auch einiges in diesem Artikel sinngemäß aus diesem Buch übernommen. Das Buch hat uns sehr gut gefallen, weil es leicht verständlich geschrieben ist und viele Praxistipps und persönliche Geschichten von einem FBI-Agenten enthält. Ein sehr fundiertes und lesenswertes Grundwerk zum Thema Körperrhetorik ist „Signale des Körpers“* von Vera F. Birkenbihl.

 

 

Quellen
Menschen lesen – Joe Navarro:
https://amzn.to/2QwG872*
Signale des Körpers – Vera F. Birkenbihl
https://amzn.to/2QwkbF8*
Pupillenreaktion:
https://www.spektrum.de/lexikon/biologie/pupillenreaktion/54982 
Studie – Erfolgsfaktor emotionale Intelligenz:
https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0191886998000014

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