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Fremdbestimmung - Beeinflussung Medien

Warum Du fremdbestimmt bist und wie Du Dich davon lösen kannst

Geschrieben von Daniel, am 15.12.2018

Der Mensch hat von Grund auf das Bedürfnis auf Freiheit und doch lassen wir uns durch Fremdbestimmung abhängig machen, beeinflussen oder gar manipulieren. Fremdbestimmung ist der Ausgangspunkt für viele psychische Leiden unserer Zeit, denn es kann zu vermehrtem Stress führen, setzt uns unter Druck und wirkt sich oft ganz deutlich auf unser Selbstbewusstsein aus.

Fremdbestimmung ist also nicht nur ein Hype – da es auch in manchen Esoteriker-Zeitschriften zu finden ist – sondern ein echtes Problem der heutigen Gesellschaft. Grundsätzlich kann man sogar sagen, dass Fremdbestimmung teilweise eine regelrechte Sucht ist, sich nicht von dem Zwang, die Erwartungen anderer Menschen zu erfüllen, lösen zu können.


Definition und Fakten

Fremdbestimmung wird im Allgemeinen als Heteronomie bezeichnet und stellt das Gegenteil der Autonomie dar. Der selbstbestimmte (autonome) Mensch hat einen freien Willen und stimmt mit dem überein, was ihn selbst ausmacht und wie er von innen heraus gerne sein will. Der fremdbestimmte (heteronome) Mensch dagegen, stimmt mit etwas überein, was nicht seinem eigentlichen Wesen entspricht.

Die Ursprünge der Fremdbestimmung, liegen in den Theorien des Philosophen Immanuel Kant. Er verbindet die Selbstbestimmung des Menschen mit Freiheit und Menschenwürde. Voraussetzung ist für Kant allerdings nicht, dass ein Mensch immer Selbstbestimmt ist, sondern nur, dass er jederzeit zur Selbstbestimmtheit fähig ist.

Fremdbestimmung kann dadurch zustande kommen, dass wir uns vom Feedback von anderen Personen oder der Gesellschaft leiten oder uns bevormunden lassen. Meist ist dies nur indirektes Feedback in Form von Erwartungen, so dass es einen großen Interpretationsspielraum gibt. Das birgt die Gefahr, dass die „Erwartungen“ fehlinterpretiert werden und ein verzerrtes Selbstbild entstehen kann.

Unbewusste Fremdbestimmung

Die meisten Menschen gehen davon aus, dass sie nicht von anderen abhängig sind und sich auch nicht beeinflussen lassen. Das Schlimme an der Fremdbestimmung ist aber, dass diese überwiegend unbewusst stattfindet und wir diese gar nicht aktiv wahrnehmen.

Vor allem im heranwachsenden Alter lernen wir durch Nachahmung und machen entsprechend nach was wir in unserer Umgebung sehen. Dies ist zum einen wichtig, da in der Erziehung die Grundsteine der Tiefenpsychologie und bestimmter Angewohnheiten gelegt wird, die auf das spätere Leben, wesentlich positive Auswirkungen haben können.

Die Schwierigkeit liegt zum anderen aber darin, dass das Umfeld der Kinder, wie Familie, Lehrer und Freunde ebenfalls fremdbestimmt sein können und dies womöglich unbewusst übertragen. Das kann zur Auswirkung haben, dass bestimmte Erwartungen tief in unserem Selbstbild verankert wurden und während dem ganzen erwachsenen Alter mitgetragen werden. Insbesondere durch die Digitalisierung und die sozialen Medien wird heute bereits im Kindesalter das Unbewusstsein mit verzerrten Gesellschaftsbildern konfrontiert, die zu einer ungesunden Entwicklung beitragen.

Das menschliche Bedürfnis nach Zugehörigkeit und Anerkennung

Ein weiterer Grund der unbewussten Fremdbestimmtheit ist das menschliche Bedürfnis nach Zugehörigkeit und Anerkennung. Dies gelingt allerdings meist nur, wenn wir den Erwartungen der Gesellschaft entsprechen. Wie in dem Beispiel der Kindheit, kann aber auch hier die äußere Erwartung einen positiven Einfluss auf uns haben. In gewissem Maße ist es auch notwendig sich anzupassen, denn es bringt nichts, wenn wir zwar Frei, aber dafür einsam sind.

Zum Problem wird es allerdings dann, wenn wir uns so verändern, wie wir uns selbst gar nicht mehr wohlfühlen, nur um Anerkennung und Zugehörigkeit zu erfahren. Dies muss aber nicht nur der gesellschaftliche Druck sein, sondern es kann auch die Erwartung einzelner Personen sein die uns fremdbestimmt. Einzelne Personen die dabei besonders starken Einfluss auf uns haben können, sind Familie, Freunde, der Chef und Arbeitskollegen.

Der Einfluss der sozialen Medien

Der soziale Druck der Gesellschaft, wird zunehmend von Werbung und den sozialen Medien angefeuert.  Das schwierige dabei ist, dass die psychologischen Tricks der Medien immer raffinierter werden um unser Unbewusstsein zu erreichen, sodass wir Fremdbestimmung gar nicht mehr aktiv wahrnehmen können.

Mögliche Gefahren durch Fremdbestimmung der sozialen Medien:

  • Man kauft sich Gegenstände, die man sich gar nicht leisten kann
  • Es wird Essen gepostet, anstatt es zu genießen
  • Im Urlaub wird der Standort geteilt und eine Story erstellt, anstatt sich zu erholen und die Momente zu genießen
  • Das Selbstbewusstsein wird von oberflächlichen Klicks abhängig gemacht und nicht von der Meinung echter Freunde und Familie
  • Man kleidet sich so, dass man anderen gefällt und nicht sich selbst
  • Es werden Fitnessprogramme gestartet um andere zu beeindrucken und nicht um sich wohler zu fühlen und etwas für seine Gesundheit zu tun
  • Man pflegt viele falsche Freundschaften, anstatt wenig echte und dafür wertvolle
  • Partner werden nach den Profilbildern ausgesucht und nicht nach der Persönlichkeit
  • Man vergleicht sein äußeres Erscheinungsbild und sein Verhalten mit Models und Filmstars, die im Extremfall sogar nicht einmal real sind

Aufklärung über den Einfluss der sozialen Medien:

Leider wird unserer Meinung nach viel zu wenig über die tatsächlichen Gefahren der sozialen Medien und dem Informationsgehalt, den wir daraus konsumieren, aufgeklärt. Einer der Vordenker in diesem Bereich ist John Lanier. In seinem Buch „Zehn Gründe, warum du deine Social Media Accounts sofort löschen musst“* erklärt er recht schonungslos was für Gefahren entstehen und wodurch sie entstehen. Er ätzt dabei aber weniger gegen die großen Unternehmen im Silicon Valley, wie man es vielleicht erwarten würde, sondern er hinterfragt vielmehr das Gesamtsystem.

Eines der größten Probleme ist seiner Meinung nach, dass das Internet kostenlos ist und Geld überwiegend durch die Nutzer und dessen Daten verdient wird. Die Algorithmen werden also nicht darauf ausgerichtet, dass Informationen mit dem höchsten Wahrheitsgehalt als erstes auftauchen, sondern darauf, dass Verkäufer sich bestmöglich vermarkten können – am besten funktioniert dies durch Manipulation. Vertiefend dazu kannst Du Dir auch den Beitrag zur „Psychologie des Überzeugens…“ ansehen.

Die Gefahr der Fremdbestimmung

Durch Fremdbestimmung laufen wir Gefahr, dass eigene Bedürfnisse, Vorstellungen und Wünsche hintenangestellt werden, nur um den Erwartungen anderer gerecht zu werden. Fremdbestimmtes Verhalten schafft Abhängigkeit und Einschränkungen unserer Freiheit. Der Druck auf Menschen, die vielleicht ohnehin schon ein niedriges Selbstbewusstsein besitzen, kann hier soweit führen, dass diese ein Leben leben, dass eigentlich gar nicht mehr ihr eigenes ist. Das führt langfristig zu Unzufriedenheit und kann sogar Krankheiten hervorrufen. Nicht umsonst nehmen die Zahlen der seelischen Krankheiten unaufhaltsam zu. Um seelisch gesund zu bleiben, brauchen wir eine ausreichende Selbstbestimmung.

Alles, was den Menschen in seiner Freiheit durch die Meinung anderer einschränkt, widerspricht seinem innersten Wesen. Fremdbestimmung bedroht damit die seelische Gesundheit.

Fremdbestimmung erkennen

Wer versucht, all den zuvor genannten Erwartungen gerecht zu werden, es jedem recht zu machen und vergisst, was er eigentlich selber möchte, der lebt Fremdbestimmt.

Im Folgenden haben wir ein paar Kontrollfragen zur Fremdbestimmung zusammengestellt, die Du Dir immer wieder selber stellen kannst:

  • Welchen Impulsen bin ich heute gefolgt und stimmten sie mit mir überein?
  • Habe ich heute etwas getan, was ich eigentlich gar nicht wollte und nur äußere Umstände von mir erwartet haben?
  • Hätte ich auch genauso gehandelt, wenn niemand davon erfahren würde/hätte?
  • Welche Dinge habe ich heute getan, nur damit andere mitbekommen, dass ich diese Dinge getan habe?

Der Weg zur Selbstbestimmung

Selbstreflexion und Selbstbewusstsein:

Die wichtigste Grundlage ist auch hierbei, sich ausreichend mit sich selbst zu beschäftigen (schau Dir hierzu am besten auch den Artikel zur Selbstreflexion an). Dabei kannst Du die vorstehenden Fragen „Fremdbestimmung erkennen“ in die tägliche Praxis deiner persönlichen Reflexion integrieren.

Es ist außerdem wichtig, die natürlichen Unterscheide der Selbst- und Fremdwahrnehmung zu kennen und einschätzen zu können. Dadurch kann man sein Selbstbewusstsein steigern, Unabhängigkeit schaffen um sein Leben so zu leben, wie man es selbst möchte, ohne sich von anderen dabei beeinflussen zu lassen.

Insbesondere für Persönlichkeiten mit weniger großem Selbstbewusstsein, kann das Buch „Sei einzig, nicht artig“* von dem Karrierecoach Pascal Wehrlein hilfreich sein. Darin werden viele Impulse gegeben, wie man innere Unabhängigkeiten schafft und sich auch auf die ruhige Art gegen den „Mainstream“ durchsetzen kann.

Wissen erweitern und informiert bleiben:

Neben einer ausreichenden Selbstreflexion und einem stabilen Selbstbewusstsein ist es hilfreich sich weiter in der Thematik einzulesen um vor allem die unbewussten Manipulationen durch Werbungen verstehen zu können. Ein sehr gutes Grundlagenwerk, dass wir dazu empfehlen können, ist „Wie Medien unsere Meinung bilden“* von Vera F. Birkenbihl.

Einflüsse aktiv hinterfragen:

Besonders hilfreich ist es, wenn Du die Medien und die Werbung aktiv hinterfragst. Du kannst Dir daraus auch ein Spiel machen und ganz genau beobachten, was die versteckte Botschaft hinter der Werbung sein könnte, die Dir unbewusst vermittelt werden soll.

Ein bekanntes Beispiel, wie gut die mediale Vermittlung funktioniert, ist das folgende: Als in den 70ger-Jahren die Sicherheitsgurtpflicht eingeführt wurde, wollten sich die Fahrer partout nicht anschnallen. Deshalb hat man in Amerika damit begonnen, die Botschaft unbewusst über Werbung zu vermitteln. Als sich dann die Schauspieler in den Filmen anschnallten, erhöhte sich die Anschnall-Quote dramatisch. Einfach deshalb, weil es dadurch von der Bevölkerung als normal angesehen und unbewusst akzeptiert wurde. Selbige Strategie hat später übrigens auch in Europa funktioniert.

Distanzierung und innere Zufriedenheit entwickeln:

Besonders in Bezug auf soziale Medien, hilft es am besten, wenn man sich weitestgehend von der „virtuellen Welt“ distanziert.
Es ist wichtig, dass man sich durch die Distanzierung von dem Gedanken befreit, dass man in den Scheinwelten, die uns über die Werbung und die sozialen Medien vorgespielt werden, mithalten zu müssen. Die innere Zufriedenheit ist nur im Gleichgewicht, wenn man die Dinge für sich selber macht und nicht für andere.

Lebe dein Leben so, dass es sich im Inneren gut anfühlt und nicht so, dass es von außen gut aussieht.

Eine wichtige Unterstützung um Unabhängigkeit zu schaffen ist außerdem eine ausreichende Selbsterkenntnis und sein „inneres Warum“ zu kennen. Hierzu kannst Du Dir auch den Beitrag „Wenn Du weißt, warum Du etwas tust…“ ansehen. Zu diesem Thema noch ein passender Spruch – den mir mal jemand auf einen Trip mitgegeben hat, da wir zuvor über das Thema gesprochen hatten – an den ich immer wieder denken muss:

Erklimme nicht die Berge, damit die Welt dich sehen kann, sondern damit du die Welt sehen kannst.

Fazit

Wie Du im Beitrag erfahren hast, ist man einer gewissen Fremdbestimmung unausweichlich ausgesetzt, diese aber auch positiven Einfluss auf uns haben kann. Es sollte – wie von Immanuel Kant definiert – also nicht alles, was nicht nahtlos dem eigenen Wesen entspricht, verweigert werden.

Wichtig ist nur, dass wir uns durch Fremdbestimmung nicht bevormunden, beeinflussen oder abhängig machen lassen. Dies zu erkennen, zu beurteilen und nach Deinen eigenen Bedürfnissen zu entscheiden ist ein wesentlicher Schritt zur Selbstbestimmung, die zu Freiheit, Zufriedenheit und seelischer Gesundheit führt.

Hier geht’s zu weiteren Beiträgen unserer „Feedback“-Serie:

  1. Grundlage und Vorteile von Feedback
  2. Abstimmung von Selbst- und Fremdwahrnehmung
  3. Feedback erhalten
  4. Feedback geben
  5. Erfahrungsbericht einer persönlichen Onlineumfrage
  6. Fremdbestimmung (dieser Beitrag)

Quellen
Wie Medien unsere Meinung bilden – Vera F. Birkenbihl:
https://amzn.to/2CExhew*
Zehn Gründe, warum du deine Social Media Accounts sofort löschen musst – John Lanier
https://amzn.to/2BK4nYW*

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