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Sei immer ehrlich zu Dir selbst

Geschrieben von Alex, am 20.10.2018

 

Ehrlich zu sich selbst zu sein, ohne sich dabei fertig zu machen oder runter zu ziehen, ist eine wichtige Eigenschaft. Sie ist die Grundlage für eine positive Selbstreflexion und somit integraler Bestandteil für Deine persönliche Weiterentwicklung. Dabei spielt es keine Rolle, ob es um Beziehung, Beruf oder um andere Themen geht.

In diesem Beitrag erfährst Du zum einen, wie Du die Bereiche aufdeckst, in denen Du dich selbst belügst. Zum anderen erfährst Du, wie Du ehrlich zu dir selbst sein kannst und vor allem, wie Du diese Ehrlichkeit auch sinnvoll für Dich nutzen kannst.

 


Warum wir uns selbst belügen

Die beiden Hauptgründe sind ziemlich einfach:

Erstens wollen wir manche Dinge einfach glauben. Wir belügen uns vor allem da, wo große Wünsche und Ängste in uns sind.

Zweitens bekommen wir meistens schon von Kindesalter an beigebracht, dass wir anderen Menschen nicht schonungslos die Wahrheit sagen dürfen. Wenn ein fünfjähriges Kind mit dem Finger auf einen übergewichtigen Mann zeigt und sagt „Guck mal Mama, der Mann ist aber dick“, dann drückt das Kind in diesem Augenblick einfach nur ungefiltert seine Beobachtung aus und möchte damit niemanden verletzten.

„Was bei der Jugend wie Grausamkeit aussieht, ist meistens Ehrlichkeit“ – Jean Cocteau

 

Dem Kind wird dann beigebracht, „dass man das nicht macht“ und im schlimmsten Fall bekommt es Ärger, weil sich die Eltern dafür schämen.

Das ist prinzipiell auch erst einmal nicht verkehrt. Die Rahmenbedingungen unserer sozialen Kommunikation unterliegen gesellschaftlichen Regeln: Ehrlichkeit kann auch verletzen und das wollen wir häufig nicht. Wir lernen mit der Zeit, diplomatisch zu sein, Gedanken nicht auszusprechen oder weicher zu formulieren. Diese Art zu beschönigen übertragen wir auf uns selbst und hier liegt das Hauptproblem. Denn wenn wir nicht einmal selbst wirklich ehrlich zu uns sein können, wer soll es dann sein? Wenn wir unsere Probleme beschönigen und diplomatisch positiv darstellen, dann können wir uns nicht mehr richtig selbst erkennen (finde mehr dazu in dem Beitrag zur Selbsterkenntnis).

Dadurch werden wir diese Probleme nicht überwinden. Denn nur, wenn Du dich selbst oder Dein Problem ehrlich erkennst, hast Du die Möglichkeit, es zu ändern. Nicht umsonst heißt ein deutsches Sprichwort:

„Selbsterkenntnis ist der erste Schritt zur Besserung.“

 

Jeder, der einmal eine negative Verhaltensweise in seinem Leben geändert hat oder eine Sucht (wie z.B. Seriensucht) überwunden hat, weiß, wie lange wir uns selbst etwas vormachen. Es dauert häufig lange bis wir merken, dass wir mittlerweile ein ernsthaftes Problem haben. Warte nicht so lange ab, bis Deine Probleme wirklich gefährlich für Dich werden. Verändere diese Dinge vorher, bevor sie zu einem Teil Deiner Gewohnheiten oder sogar Deiner Persönlichkeit geworden sind. Dafür musst Du lernen, schonungslos ehrlich zu Dir zu sein.

„Aufrichtigkeit ist höchstwahrscheinlich die verwegenste Form der Tapferkeit.“ – William Samerset Maugharm

 


Wie wir uns selbst belügen

Es gibt natürlich viele Arten, wie wir uns selbst belügen. Von einfach die Augen vor etwas zu verschließen bis hin zur Realitätsverschiebung ist die Palette mit unterschiedlich starken Ausprägungen sehr breit. Nicht alle davon kommen bei jedem vor. Deswegen möchten wir hier nur auf die häufigste Art eingehen, wie wir uns selbst belügen:

Das Rationalisieren

Viele Menschen sind der Meinung, dass alle Entscheidungen rational getroffen werden müssen – möglichst analytisch und kognitiv.

Die Fähigkeit logisch zu denken ist ungemein wichtig, sie ist in vielen Aufgaben – vor die wir im Berufsleben oder auch im Alltag gestellt werden – gefordert. Aufgrund der gesellschaftlich anerkannten hohen Wichtigkeit von analytischer Denkweise kann es passieren, dass wir uns selbst rationale Gründe für eine Entscheidung vorspielen, obwohl sie in Wahrheit anderer Natur sind:

Wir haben einen emotionalen Grund, aus welchem wir eine wichtige Sache nicht tun oder auch warum wir eine negative Sache tun. Statt uns diesen emotionalen Grund einzugestehen, fügen wir rationale Gründe hinzu oder erzählen uns eine Geschichte als Rechtfertigung. Das wird als Rationalisieren bezeichnet.

Hier ein Beispiel:
Du willst Deine allererste Steuererklärung machen. Du hast das vorher noch nie gemacht und Papierkram ist eh nicht so Dein Ding. Damit Du es auch wirklich machst, hast Du es Dir auf Deine To-Do-Liste für Donnerstag geschrieben. Du sitzt später an Deinen Schreibtisch als geplant, weil irgendetwas dazwischengekommen ist. Du schaust auf Deine Uhr und merkst, dass Du heute nur noch 2 Stunden Zeit hast.
Jetzt überlegst Du: „Mhhh … nur noch zwei Stunden … das lohnt sich doch nicht wirklich … bis ich mich reingedacht habe, vergeht mindestens eine Stunde, vielleicht sogar mehr … dann muss ich mitten drin aufhören … das ist auch blöd … Wenn, dann will ich das lieber in einem Rutsch machen, damit ich es gleich vom Tisch habe … ja, dann mache ich jetzt erst einmal was anderes …“
Am nächsten Tag hast Du dann vielleicht einen anderen Grund oder eine andere Geschichte, weshalb Du nicht anfangen kannst. So schiebst Du diese Aufgabe immer weiter nach hinten, bis der Schuh richtig drückt und das ganze zum Problem wird. Das kennst Du mit Sicherheit auch, oder?

Wir finden viele rationale Gründe, aus welchen wir etwas nicht erledigen. Dabei sind die wahren Gründe meistens emotional. Wir wollen die Steuererklärung nicht machen, weil es vielleicht vollkommen neu für uns ist und wir Angst haben, Fehler zu machen. Vielleicht haben wir auch Angst davor, dass wir es überhaupt nicht verstehen werden, wenn wir es versuchen. Oder wir haben schlichtweg überhaupt keine Lust darauf und etwas anderes ist spannender. Was auch immer der Grund ist, es ist häufig ein anderer als die Geschichte, die wir uns selbst erzählen. Für Steuererklärungen mag es nicht ganz so schwerwiegend sein, aber wenn es um unsere Gesundheit, um unsere Beziehungen oder um unseren Beruf geht, dann ist das Problem häufig größer.

 

Welche Geschichten erzählst Du Dir selbst?

Die Fragen, die Du Dir selber stellen kannst, sind:

  • Welche Geschichte erzähle ich mir selber, damit ich XYZ nicht machen muss?
  • Wie rationalisiere/rechtfertige ich mein Verhalten?
  • Welche Begründungen (Ausreden) benutze ich häufiger?

Nimm Dir dafür eine Sache, der Du aus dem Weg gehst oder die Du häufig aufschiebst. Mache eine Liste mit allen Rationalisierung und Geschichten, die Du Dir erzählst, um diese Sache aufzuschieben. Wenn Du dies häufiger machst, dann wird Dir vermutlich auffallen, dass Du für unterschiedliche Themen gleiche Ausreden benutzt. Die Ausreden, die wir immer wieder benutzen, sind sehr bezeichnend für unsere Verhaltensweisen und unsere Persönlichkeit.

Jetzt musst Du für Dich festlegen, dass Du diese Ausreden nicht mehr akzeptierst. Wenn Du das nächste Mal an dem Punkt bist, werden Dir die Rationalisierungen sofort auffallen. Du hast die Möglichkeit, Dich anders zu entscheiden. Sei ehrlich zu Dir wenn du Dir überlegst, warum Du die Aktivität nicht machen willst.

„Eine schmerzliche Wahrheit ist besser als eine Lüge.“ – Thomas Mann

 

Jetzt, nachdem Du Deine eigene Ausrede entlarvt hast, mach es trotzdem Du wirst Dich danach vermutlich richtig gut fühlen, weil Du deine Ausreden nicht mehr akzeptiert hast. Außerdem wird Dir auffallen, dass sich viele Aufgaben oder Tätigkeiten vorher schlimmer anfühlen, als sie es sind. Die Angst vor der Angst macht unsere Probleme häufig größer als sie im Grunde sind.

 

Das Erfolgsmodell der schonungslosen Ehrlichkeit

Der Basketball Coach John Wooden hat 10 Mal die Basketball Championships gewonnen und davon sieben Mal in Serie. Er ist damit der erfolgreichste Trainer der Wettbewerbsgeschichte. Er hatte ein sehr einfaches Geheimnis, das einen großen Unterschied machte. Obwohl er mehr Siege als jeder andere Trainer nach Hause brachte, konzentrierte er sich nie auf das Gewinnen an sich. Er konzentrierte sich darauf, seinen Spielern beizubringen, ihre Leistung ehrlich zu reflektieren:

 

Ehrlichkeit zu sich selbst - Zitat - Coach John Wooden - Erfolgsmodell

 

Dadurch konnte er das Maximale aus seinem Team rausholen. Wenn man immer wieder alles gibt, ist man auch häufiger besser als alle anderen. Gewinnen oder verlieren ist eine interne Entscheidung, die wir selbst treffen, wenn wir ehrlich zu uns selbst sind.  Diese Geschichte zeigt auf beeindruckende Art und Weise, welche Kraft in Ehrlichkeit steckt, wenn wir sie täglich bei uns anwenden und zu unserer Gewohnheit machen.

 

 „Ehrlichkeit“ vs. „Rechtfertigung“ vs. „Sich selbst runterziehen“

Es ist wichtig, eine Unterscheidung zu machen zwischen schonungsloser „Ehrlichkeit“ und „sich selbst fertig machen“. Dafür musst Du verstehen, warum es für Dich wichtig ist, ehrlich zu Dir zu sein. Meistens geht es darum, etwas positiv in Deinem Leben zu ändern. Entweder indem Du schlechte und ungesunde Gewohnheit und Verhaltensweisen los wirst, oder indem Du positive und gesündere in Deinem Leben etablierst. Ehrlichkeit hilft Dir hier bei der Bestandsaufnahme, um Dich zu orientieren, wo Dein Standpunkt bei einem bestimmten Thema gerade ist:
Wenn Du in einer neuen Stadt ankommst und ein Ziel hast, dann versuchst Du als erstes herauszufinden, wo Du Dich befindest. Dann ermittelst Du die Route und überprüfst so lange Deinen Standpunkt, bis Du am Ziel angekommen bist. Genauso solltest Du mit Ehrlichkeit und Dir selbst auch umgehen (mehr dazu findest Du in dem Beitrag zur Selbstreflexion).

Vielleicht kennst Du aber auch Menschen in Deiner Umgebung, die ein Problem haben und dies offen benennen, aber statt dann daran zu arbeiten, gilt die vermeintliche Ehrlichkeit als Ausrede.

Diese Art des „Selbstbelügens“ erkennt man beispielsweise an Aussagen wie:

  • Ich bin halt faul, deswegen habe ich das nicht gemacht.
  • Wenn mir jemand die Vorfahrt nimmt, dann raste ich einfach aus.
  • So bin ich eben.
  • XYZ kann ich nie ändern.

Diese Aussagen dienen oft dazu, nichts ändern zu müssen. Ganz besonders, wenn sie häufig auftreten und es sich um Themen handelt, bei denen sogar klar ist, dass eine Änderung sehr wichtig wäre. Diese Art der Aussagen steht im Zusammenhang mit Stagnation und Stillstand. Außerdem handelt es sich hier häufig nicht um die wahren Gründe. Meisten gibt es noch dahinterliegende Gründe wie z.B. Angst vor Veränderung. Mehr über solche passiven Aussagen erfährst Du in dem Beitrag zur Pro-Aktivität.

Schlimmer ist es, wenn die Person sich dabei selbst fertigmacht und gleichzeitig nichts ändert.

Häufige hört man hier Sachen wie:

  • Ich bin halt ein Schwächling.
  • Die mögen mich doch eh nicht.
  • Dafür bin ich viel zu dumm.
  • Ich schaffe es einfach nie.
  • Schau mich doch mal an, wie soll jemand wie ich das schaffen.

Oder ähnliche Sätze, die häufiger verwendet werden. Im Vergleich zum vorangegangenen Beispiel schadet man sich hier sogar selbst, denn man greift sein Selbstwertgefühl an und führt dadurch eher einen Rückschritt seiner Persönlichkeitsentwicklung herbei, anstatt sie zu fördern.

Im Grunde kannst du Ehrlichkeit zu Dir selbst in drei unterschiedliche Arten einteilen. Ehrlichkeit, die…

  1. Dich runterzieht und Dir schadet,
  2. die als Ausrede für Deine Stagnation dient und
  3. die der erste Schritt Deiner Veränderung sein kann.

Dein Ziel sollte immer sein, Dich mit der dritten Art der Ehrlichkeit zu beschäftigen, worauf im Folgenden nochmal näher eingegangen wird.

 

Wie Du Ehrlichkeit richtig einsetzt

Die Grundlage, die dafür sorgt, dass Dich die Ehrlichkeit zu Dir selbst auch weiterbringt, ist der Wille, dadurch eine Veränderung hervorzurufen.

Praxisbeispiel:
Wenn Du gerne sportlicher wärst, Du bis jetzt aber noch keinen Sport gemacht hast und es immer verschoben hast, dann sei ehrlich zu Dir:„ Ja, ich bin momentan unsportlich. Aber ich akzeptiere nun jetzt keine Ausreden mehr. Jetzt ändere ich etwas.“

Verschwende keine Energie damit, Dich fertig zu machen, weil Du es in der Vergangenheit nicht geschafft hast. Das spielt alles keine Rolle mehr und hilft Dir nicht weiter. Nutze diese Energie lieber, um es besser zu machen. Das ist das einzige, was Du von Deinem jetzigen Standpunkt aus machen kannst. Verändere es gleich heute, keine Ausreden mehr und voller Fokus auf Deine positive Veränderung! Siehe Dir dazu auch den Beitrag „Wie Du Dein Leben selbst in die Hand nimmst“ an.

Hier nochmal kurz eine mögliche Hilfestellung dazu, wie Du Ehrlichkeit für Dich einsetzen kannst. Am besten setzt Du Dich gleich mit Stift und Zettel hin und schreibst alle Punkte für Dich auf:

  1. Thema festlegen: Was schiebst Du immer vor Dir her? Wofür erfindest Du immer neue Ausreden?
  2. Welche Ausreden verwendest Du für dieses Thema? Welche Geschichte erzählst Du Dir, damit Du dieses Thema nicht angehen musst?
  3. Sag Dir die Wahrheit: Was ist jetzt Dein Status Quo? Was sind die dahinterliegenden Gründe für Deine Ausreden?
  4. Triff eine Vereinbarung mit Dir: „Ich akzeptiere ab heute keine Ausreden mehr. Ich richte meine volle Energie darauf aus, XYZ zu machen.“
  5. Fang an und ändere genau diese Sache. Fang genau heute damit an! Nicht nächste Woche oder irgendwann anders.
  6. Bleib dran, so lange bis Du Dein Ziel erreicht hast. Wenn nötig, wiederhole Schritt 1. bis 6.

 

Fazit

Ehrlich zu sich selbst zu sein kann eine sehr schmerzhafte Erfahrung sein:

„Am meisten fühlt man sich von der Wahrheit getroffen, die man sich selbst verheimlichen wollte.“ – Friedl Breutelrock

 

Du durchbrichst damit genau die Lügen, die Du Dir häufig selbst erzählst. Nicht selten fällt einem auf, wie lange man sich schon etwas vorgemacht hat und nicht ehrlich zu sich war. Der Schmerz lässt allerdings auch wieder nach und es bleibt eine Art Freiheit zurück. Die Freiheit, Die Du benötigst, um Dich auf Deinen richtigen Weg zu bringen.

Umso früher Du damit anfängst, desto schmerzfreier kommst Du davon. Dir einzugestehen, dass Du im letzten Jahr ganz schön Mist gebaut hast, fällt Dir einfacher, als wenn es die letzten 15 Jahre waren. Wir mussten uns selbst schon einige Male eingestehen, dass wir uns auf Irrwege gebracht haben. Einfach, weil wir nicht ehrlich zu uns selbst waren. Als wir das begriffen hatten, waren teilweise große Veränderungen in unseren Leben nötig. Rückblickend können wir diese Momente, die zu dem Zeitpunkt zwar schmerzhaft waren, im Nachhinein aber als positive Wendepunkte betrachten. Deswegen können wir Dir diese Übung guten Gewissens mit auf den Weg geben, denn sie wird Dich weiterführen auf Deinem Weg der Persönlichkeitsentwicklung.

Hast Du vielleicht auch schon so eine Phase in Deinem Leben gehabt? Erlebnisse, nach denen Dir klar wurde, dass Du etwas ändern musst? Oder ahnst Du vielleicht, dass genau so etwas demnächst bei Dir ansteht? Dann schreib es Doch in Die Kommentare, wir freuen uns über den Austausch.

 

 

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