Ehrlichkeit - Veränderung - Selbstreflexion - Selbsterkenntnis - Spiegelbild
Sei immer ehrlich zu Dir selbst
20. Oktober 2018
Selbstwahrnehmung - Fremdwahrnehmung - Johari-Fenster - Gruppenarbeit - Arbeitsgruppe
Abstimmung von Selbst- und Fremdwahrnehmung
3. November 2018
Feedback - Selbstwahrnehmung - Fremdwahrnehmung - Grundlage

Feedback als wertvolle Grundlage der Sozialkompetenz

Geschrieben von Daniel, am 27.10.2018

 

Wenn Du weißt, was andere von Dir denken, dann kannst Du Deine Selbstwahrnehmung mit der Fremdwahrnehmung abgleichen. Dir persönlich kann das helfen, Deinen Eindruck auf andere zu verbessern und in Gruppen hilft es vor allem, sich untereinander besser zu verstehen. Feedback ist deshalb eine wertvolle Grundlage für unsere Sozialkompetenz, insbesondere für die Kommunikationsfähigkeit und die Rhetorik. Lies weiter und erfahre in diesem Beitrag mehr zu der Theorie, den Grundlagen und Vorteilen von Feedback.

 


Theoretischer Hintergrund

Aus Feedback zu lernen liegt in unserer Natur, vor allem in der Phase unserer Kindheit, in der wir die gesellschaftlichen Regeln für sozialen Kontakt lernen, tun wir das durch Feedback. Mit zunehmendem Alter nimmt das meist ab, weil wir uns in der Artikulation des eigenen Denkens und der eigenen Gefühle einschränken. Dies liegt an der Angst davor, entweder durch Feedback verletzt zu werden oder jemand anderen zu verletzen, wenn man selbst Feedback gibt. Das kann dazu führen, dass wir uns ein Bild über uns selbst machen, das deutlich von dem abweicht, welches andere von uns haben.

Wenn wir Feedback erhalten und nutzen, können wir subjektive Wahrnehmungen – von uns und anderen – besser einschätzen. Durch offenes Feedback anderer erfährt man, wie man auf diese wirkt und kann eventuell auch verstehen, warum man so auf diese wirkt. Feedback ist also auch im Erwachsenenalter unerlässlich für gut funktionierende zwischenmenschliche Beziehungen.

Feedback muss aber nicht unbedingt nur von anderen Menschen kommen, sondern wir können uns durch gewisse Fragestellungen auch selbst Feedback geben. Die beste Möglichkeit hierzu sind Persönlichkeitstests (siehe Dir dazu auch den Beitrag „Verschaffe Dir den absoluten Überblick aller Persönlichkeitstests“ an). Sich selbst Feedback zu geben ist mitunter ein Teil der Selbstreflexion, die die Grundlage unserer Persönlichkeitsentwicklung darstellt.

 

Praktische Begründung

Die Grundlagen des praktischen Feedback-Konzepts liegen bei dem Pionier der Sozialpsychologie Kurt Lewin, der dieses zusammen mit anderen Forschern bei Seminaren in kleineren Gruppen am MIT im Jahre 1946 angewendet hat. Die Ergebnisse der Feedback-Runden in den Seminaren waren, dass alle Teilnehmer wichtige Erkenntnisse, sowohl über ihr eigenes Verhalten als auch über das der Gruppe gewannen. Die gesamte Gruppe war dadurch im Vergleich zu anderen deutlich erfolgreicher. Dies wurde später von einigen Instituten zur Organisationsentwicklung, beziehungsweise zum sogenannten „Survey-Feedback“, weiterentwickelt. Die höchste Form von Feedback in der Gesellschaft oder in Unternehmen wäre eine gesamtheitliche Feedback-Kultur, in der jeder von jedem lernen kann.

Das Feedback-Konzept stellt damit einerseits ein wichtiges Instrument für die Persönlichkeitsentwicklung und andererseits für die Sozialkompetenz beziehungsweise für die Teamentwicklung dar. Es fördert damit Offenheit, Ehrlichkeit und Vertrauen in der Gruppe, was eine der wichtigsten Grundlagen für erfolgreiche Zusammenarbeit darstellt.

 

Die vier Ebenen von Feedback

Feedback bekommen wir meist öfter als wir denken, jedoch nehmen wir es nicht bewusst war. Dies liegt daran, dass Kommunikation im Allgemeinen auf vier Ebenen stattfinden kann (siehe Quellen). Wir haben die vier Ebenen der Kommunikation auf vier Feedback-Ebenen übertragen und diese wie folgt definiert:

  1. Erste Ebene – nonverbal:
    Dabei gibt der Feedback-Geber ein unbewusstes Feedback, dass er eigentlich gar nicht aktiv abgeben möchte. Dies findet meist auf der nonverbalen Ebene – nicht sprachlich – statt, wird also mittels der Körpersprache kommuniziert. Da es auf dieser Ebene am schwierigsten ist, ein Feedback zu erkennen, wird dies auch meist nicht wahrgenommen.
    Auf nonverbaler Ebene kann aber durchaus auch aktives Feedback abgegeben werden. Meist wird dies genutzt, um verbales Feedback mit Emotionen und Gefühlen zu hinterlegen. Dies geschieht durch Gestik, Mimik, Blickkontakt, Körperhaltung oder andere nonverbale Signale.
    Auf dieser Ebene kommt es aufgrund der schwierigen Deutung auch zu den meisten Missverständnissen, weshalb man sich hierbei nicht auf Spekulationen verlassen sollte. Mehr zu diesem Thema erfährst Du in dem Beitrag zu „Körpersprache entschlüsseln“.
  2. Zweite Ebene – paraverbal:
    Unter „paraverbal“ versteht man die Art und Weise wie etwas gesagt wird. Dazu zählt die Redelautstärke, die Stimmlage, die Tonhöhe, der Sprechrhythmus, die Redegeschwindigkeit, aber auch Schweigen bzw. Redepausen. Umgangssprachlich bezeichnet man das auch als „Unterton“. Der Ausdruck dieser Ebene kann stark von der allgemeinen Tageslaune des Feedback-Gebers abhängen und dadurch das eigentliche Feedback verfälschen.
  3. Dritte Ebene – indirekt:
    Ein indirektes Feedback kann auch als „verschlüsseltes“ Feedback verstanden werden. Das Feedback wird durch „Anspielungen“ übermittelt, wodurch meist ein weiter Interpretationsspielraum entsteht. Indirektes Feedback ist besonders schwierig zu identifizieren, wenn Feedback-Geber und -Nehmer sich nicht sehen können, also beispielsweise über Email-, WhatsApp-Nachrichten o.ä. übermittelt wird. Zu indirektem Feedback gehört auch Ironie, die vor allem in Textform schnell zu Missverständnissen führen kann.
  4. Vierte Ebene – direkt:
    Auf dieser Ebene wird auf direktem Wege gesagt, was man denkt. Hier ist das Ziel eine klare Information weiterzugeben und zu empfangen. Dies funktioniert meist am besten, wenn Feedback-Geber und –Nehmer an dem selben Ort sind und sich sehen können, oder über Alternativen wie Skype, Telefonie oder Sprachnachrichten. Beim Schreiben, wenn Mimik und Gestik fehlen, ist auf eine direkte Schreibweise ohne Verschleierungen zu achten.

Das Ziel sollte es sein, dass das Feedback auf der vierten, also der obersten Ebene stattfindet. Hier ist die Chance am höchsten für den Feedback-Nehmer, die Informationen auch richtig interpretieren zu können. Wenn Du als Feedback-Nehmer ein Feedback auf einer der unteren Ebenen erhältst, dann versuche immer, das Feedback durch Nachfragen oder ein Nachgespräch auf die vierte Ebene anzuheben. Das beugt Missverständnissen und Konflikten durch womöglich falsch interpretierte Wahrnehmungen vor.

 

Die drei Arten des direkten Feedbacks

Die folgenden drei Arten von direktem Feedback beziehen sich auf die vierte der zuvor aufgeführten Feedback-Ebenen. Hierbei werden die Aussagen des direkten Feedbacks also nochmal untergliedert:

  1. Unbegründete Meinungsäußerung
    Diese Art von Feedback spiegelt meist ein Gefühl über jemand anderen oder den entsprechenden Gesamteindruck wider. Diese Art von Feedback wird am häufigsten verwendet und entspricht so etwas wie „Find ich gut“. Das kann motivieren, aber führt lediglich zu einer Bestätigung oder im gegenteiligen Fall sogar zu einer Verunsicherung anstatt zu einer gezielten Verbesserung. Letzteres kann vor allem dann der Fall sein, wenn jemand immer die gleiche unbegründete Meinung abgibt, so dass eine Differenzierung und effektive Nutzung des Feedbacks kaum möglich ist.
  2. Vergleich
    Der Vergleich entsteht meist intuitiv, sobald mehrere etwas Gleiches tun und dementsprechend verglichen werden können. Es ist eine gute Feedback-Art, um seine Leistung, sein Verhalten etc. in einer Gruppe einzuschätzen. Der Nachteil ist aber, dass der Eindruck von den Vergleichenden abhängt. Sind diese also besonders gut oder schlecht, dann kann man in einer anderen Gruppe wieder ganz anders wirken. Ein Vergleich kann dennoch hilfreich sein, aber man sollte sich diese Diskrepanz bewusst machen und nicht den Vergleichswert als Standard setzen.
  3. Begründete Meinungsäußerung oder Verbesserungsvorschlag
    Dieses Feedback ist am gewinnbringendsten, denn hier erfährt man, warum der andere etwas gut oder schlecht fand. Man erhält also eine gezielte Meinung, die einem die Chance bietet, sich entsprechend zu verändern. Allerdings ist diese Art von Feedback auch am schwierigsten zu erhalten. Selbst die meisten Führungskräfte tun sich schwer, die Arbeit ihrer Mitarbeiter differenziert zu bewerten.

Auch hier sollte das Ziel sein, das Feedback mittels der dritten und aussagekräftigsten Feedback-Art zu übermitteln.  Wie bei den Feedback-Ebenen solltest Du als Feedback-Nehmer immer versuchen, diese Stufe durch Nachfragen oder ein Nachgespräch zu erreichen.

 

Vorteile von Feedback

Im Folgenden sind ein paar wichtige Vorteile von Feedback zusammengefasst:

  • Verbesserte Selbsteinschätzung
  • Eigenes Verhalten besser verstehen und steuern
  • Hilfe bei der Identifikation „blinder Flecken“
  • Förderung persönlicher Lernprozesse
  • Ermutigung durch positives Feedback
  • Motivationssteigerung für die eigene Persönlichkeitsentwicklung
  • Identifikation mit dem neuen Umfeld und/oder der Arbeitsaufgabe
  • Unterstützt das Verhältnis zwischenmenschlicher Beziehungen
  • Verbessertes Verhandlungsgeschick
  • Hilft, qualitativ bessere Entscheidungen treffen zu können

Letztlich ist Feedback eine wichtige Unterstützung Deiner Selbstreflexion und hilft Dir, Deine Wirkung auf andere besser verstehen und anpassen zu können.

 

Fazit

Du hast nun einige Vorteile von Feedback erfahren, weshalb Du dieses einfache und doch mächtige Werkzeug nutzen und ausbauen solltest. Da es aber doch ein recht umfangreiches und komplexes Thema ist, haben wir eine Artikelserie erstellt und empfehlen Dir, noch weitere Beiträge dazu anzusehen.

Artikelserie zum Thema „Feedback“:

  • Grundlage und Vorteile von Feedback (dieser Beitrag)
  • Abstimmung von Selbst- und Fremdwahrnehmung
  • Nutze Feedback und verbessere Deine Selbstwahrnehmung
  • Feedback geben (coming soon)
  • Erfahrungsbericht einer persönlichen Onlineumfrage (coming soon)
  • Warum Du Fremdbestimmt bist und wie Du Dich davon lösen kannst (coming soon)

 

 

Quellen
Feedback geben – Strategien und Übungen von Jörg Fengler:
https://amzn.to/2DnPmhM*
http://www.rhetorik.ch/Kommunikationsformen/Kommunikationsformen.html
https://dbs-lin.ruhr-uni-bochum.de/lehreladen/planung-durchfuehrung-kompetenzorientierter-lehre/feedback/lehrevaluation/konstruktives-feedback-erhalten/

Hinweis
Die mit Sternchen (*) gekennzeichneten Verweise sind sogenannte Partnerlinks. Wenn Du auf so einen Link klickst und den Artikel kaufst, bekommen wir eine Provision. Der Preis bleibt für Dich der gleiche.

Unterstützung
Wie immer freuen wir uns, wenn Du einen anregenden Kommentar dalässt oder diesen Beitrag teilst:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.